Wo kann man im AK-Land der Hitze entfliehen und zudem die Freizeit sinnvoll genießen?

Eine plausible Antwort auf diese zentrale Frage derzeitiger Wetterlaunen fand die Rhein-Zeitung jetzt in Steinebachs Besucherbergwerk „Grube Bindweide“. Allein am Samstag fuhren 52 Besucher aus nah und fern mit der ratternden Grubeneisenbahn ins Bergwerk ein und gingen tief unter Tage auf Entdeckungstour. Dabei stand längst nicht nur das Interesse an der bergbaulichen Historie im Vordergrund. Auffällig ist es nämlich, wenn ein Hitzerekord den nächsten jagt, dass zahlreiche Bindweide-Besucher vor allem den ungewöhnlich hohen Temperaturen entfliehen wollen.

„Wir haben die Hitze-Schmerzgrenze erreicht und brauchen dringend Abkühlung“, gestand zum Beispiel eine Familie aus Bonn offen und ehrlich ein. Eine Besuchergruppe aus Dillenburg bezeichnete sich selbst sogar als Wetterflüchtlinge. Aber auch viele Westerwälder sagten den heimischen „Backofen-Temperaturen“ ade und fuhren ins kühle Bergwerk ein. Ganz zu Recht kündigten die Gästeführer vom Bindweide-Team vorsichtshalber schon bei der Stolleneinfahrt einen schweren Sturz an, womit einzig und allein ein Temperatursturz von gut 20 Grad gemeint war. „Das Thermometer ist derzeit unser wirksamstes Werbeschild“, hieß es unter Tage wörtlich. Dabei schätzen alle Beteiligten die natürliche Bewetterung im Stollen, also die Klimaanlage von Mutter Natur. Mit diesen Vorteilen aber nicht genug. Die konstante zehn Grad kühle Bergluft bringt zwar Abkühlung und Erfrischung.
Aber als starker Faktor kommt in dem anerkannten Steinebacher Heilstollen noch die Reinheit der natürlichen Luftströme hinzu, was sich insgesamt günstig auf den menschlichen Organismus auswirkt. Ebenfalls sorgt das klare Grubenwasser für Begeisterung. Während sich draußen in freier Natur jede Blume und jeder Grashalm nach einem Tropfen Wasser sehnt, ist unter Tage der Wasserfluss trotz aller Sorgen um Knappheit nach wie vor in Schuss.

Seit Einstellung der Erzförderung 1931 auf der alten Zeche Bindweide wurde das untertägige Grubengebäude mit den Schächten, Stollen und Gängen komplett geflutet. Der auf diese Art und Weise entstandene gut 500 Meter tiefe Grundwasserspeicher blieb bis heute erhalten.

Foto: - Viele „Hitzeflüchtlinge“ genießen derzeit kühle Bergluft in Steinebachs „Grube Bindweide“. Auch Gästeführer Simon Gier (vorne rechts) schätzt die reine Grubenluft.

Text und Foto: Joachim Weger