„Ein frohes Glückauf zur Börse“, hieß es am Sonntag zum Auftakt der 24. Schmuckstein- und Mineralienbörse im Gebhardshainer Rathaus. Gut ein Dutzend Aussteller und Händler aus nah und fern hatte den Sitzungssaal des Rathauses in ein kleines, aber feines Mekka für Sammler und Hobbyfreunde so ziemlich aller Altersgruppen verwandelt. „Nicht die Menge macht`s, sondern die Qualität“, war sich Organisator Konrad Schwan vom Förderverein des Besucherbergwerks Grube Bindweide sicher. Auf insgesamt rund 50 Metern Börsentischen bot sich den Besuchern ein bunter Querschnitt aus der Welt roher und geschliffener Steine.

Am Rande kamen auch Sammler historischer Bergbauartikel auf ihre Kosten. Förderverein-Vorsitzender und VG-Bürgermeister Bernd Brato, der die Börse eröffnete, rief zum Erhalt der Tradition auf und sagte: „Möge der Kreis der Bergbau- und Heimatfreunde immer noch größer werden!“ Ebenfalls Gebhardshains Ortsbürgermeister Jürgen Giehl warb für die Faszination edler Steine und bergbaulicher Raritäten. Insofern war es dem Bergwerks-Förderverein wieder einmal gelungen, das Publikum mit einer ausgewogenen Palette zu begeistern und zu neuen Ideen zu beflügeln.

Dass die Steinkunde sehr spannend sein kann, zeigte Thomas Hüter aus dem hessischen Rödermark, der als „Nussknacker“ uralte mexikanische Steindrusen halbierte und dabei so manches Geheimnis lüftete. Viele Familien mit Kindern zeigten sich erfreut, dass nicht bloß kostspielige Steine zum Kaufen lockten, sondern auch erschwingliche und dennoch spannende Sammelstücke. Für das eigene Hobby daheim zählen ohnehin ideelle Werte wie persönliches Gefallen und Geschmack viel mehr als Handel und Wertanlage. Oft half der Blick durchs Mikroskop, um dem Zauber der Natur so richtig auf die Spur zu kommen. So mancher Steinbrocken, der einst in namhaften Erzrevieren von Bergmanns Hand mühevoll zu Tage gefördert wurde, gilt heute als stummer Zeitzeuge für handwerklichen Fleiß sowie bescheidenen Wohlstand aus der Zeit der Erzknappen. Weiter im Trend liegt der große Sammelbereich für Gesundheitssteine und Geschenkartikel. In diesem Zusammenhang informierte Gabi Heinbach aus Niederfischbach über Kraft und Schönheit der Steine. Zahlreiche historische Stücke aus dem Siegerländer Eisenerzbergbau hatte Uwe Spamer aus Herborn mitgebracht. Ebenfalls am Tisch von Norbert Büdenhölzer aus Herdorf blieb kaum ein Sammelwunsch offen. Der Teilnehmer mit der weitesten Anreise war übrigens Joachim Moosmann aus Heidelberg.

Foto und Text: Joachim Weger

Einige Hundert Fans edler Steine kamen am Sonntag bei der Schmuckstein- und Mineralienbörse in Gebhardshain auf ihre Kosten.
Nach 25-jähriger ehrenamtlicher Tätigkeit im Besucherbergwerk „Grube Bindweide“ sagte Dieter Lochotzki (84/4. von links) aus Malberg jetzt aus gesundheitlichen Gründen “ade“. Namens des kompletten Grubenteams sowie des Fördervereins und der Verwaltung sprach Petra Stockschläder dem stets fröhlichen Team-Senior in Steinebach Dank und Anerkennung aus.
Lochotzki ist Bergmann mit Leib und Seele. Bevor er 1991 auf „Bindweide“ als Gästeführer begann, hatte ihn sein 40-jähriges Berufsleben im Steinkohlebergbau in Dinslaken bis zum Rang des Obersteigers geführt. Beim jüngsten „Glückauf“ an der Grubenschmiede trug Lochotzki im Kreis der Aktiven seinen Herzenswunsch vor, auf der guten, alten „Bindweide“ die reiche Tradition des Bergbaus wachzuhalten.
Als Trinkspruch zum Abschied fiel dem Team-Senior jener Vers ein, den er schon als Berglehrling zu Gehör bekam: „Gar rostig ist die Grubenschiene, wenn der Hund (Förderwagen) nicht drüber läuft. Gar frostig wird des Bergmanns Miene, wenn er ab und zu nicht säuft!“

Text u. Foto: Joachim Weger
Das Besucherbergwerk „Grube Bindweide“ in Steinebach hat einen neuen Ehrenknappen: Bürgermeister Bernd Brato aus Betzdorf, der satzungsgemäß auch Vorsitzender des Bergwerks-Fördervereins ist, wurde jetzt nach alt-bergmännischem Brauch in den „Knappenstand ehrenhalber“ aufgenommen.
Bei seinem Antrittsbesuch in der Dienstbesprechung der ehrenamtlichen Grubenbelegschaft ließ Brato den traditionellen Brauch geduldig über sich ergehen. Um das große Altersspektrum im Team der Aktiven zu dokumentieren, übernahmen Dieter Lochotzki (83) und Julian Schwan (23) die „Arbeit“ mit Hammer und Pfannschaufel. Nach dem donnernden Schlag aufs Hinterteil gab es neben Ehrenurkunde und Grubenschnaps mächtig Beifall.
„Er hat mit mannhaftem Mut und großer Standfestigkeit den Bergmannsstempel erhalten“, hieß es in dem kleinen Zeremoniell. Die Förderverein-Geschäftsführerin Petra Stockschläder gratulierte namens des Teams von Grubenstollen und -schmiede. Bürgermeister Brato, der jetzt überraschend edle „Begrüßungstropfen“ mit nach Steinebach brachte, zeigte sich im Rahmen der Dienstbesprechung beeindruckt von den beachtlichen örtlichen Kultur- und Freizeitangeboten. Noch bevor die Saison bald so richtig losgeht, lädt in Steinebach so Einiges zum Verweilen und Genießen ein. So präsentiert sich der Heilstollen am Sonntag, 26. März, für alle Interessierten zum „Tag der offenen Tür“. Am Dienstag, 28. März, ist im Bergwerk erstmals eine spezielle Fotoführung für angemeldete Teilnehmer vorgesehen. Am letzten Märztag steht in der Grube Bindweide zum Saisonstart die erste Hochzeit unter Tage auf dem Dienstplan. Aber auch das örtliche Westerwaldmuseum bereitet sich eifrig auf die neue Saison vor. Hier ist zum Beispiel erstmals am Sonntag, 9. April, ein Gottesdienst für Motorradfreunde geplant. Und der Start der Oldtimerfans in die Frischluftsaison am 1. Mai ist ebenfalls wieder beschlossene Sache.

Foto und Text: Joachim Weger
Foto: - Bei seinem Antrittsbesuch in der „Grube Bindweide“ wurde Bürgermeister Bernd Brato jetzt unverhofft zum Ehrenknappen geschlagen.